Weltgebetstag-6

Wasserströme in der Wüste: Ägypten in Treis


Weltgebetstag der Frauen aller Konfessionen am ersten Freitag im März – auch für Männer.

Seit einigen Jahren planen, organisieren und leiten die Frauen des Treiser Spinnstubenkreises den Gottesdienst zum alljährlichen Weltgebetstag.

Der Weltgebetstag ist eine weltweite Bewegung christlicher Frauen, der Jahr für Jahr von Frauen unterschiedlichster christlicher Kirchen vorbereitet und weltweit am ersten Freitag im März in unzähligen Gemeinden gefeiert wird.

So auch am Freitag, 7. März 2014 in unserer Kirchengemeinde. Um 18.30 Uhr traf sich das eingespielte Frauen-Team des Spinnstubenkreises zum Aufbau im Gemeindehaus. Jede „Mitspielerin“ kannte ihre Aufgabe, im Hintergrund dirigierten Iris Devynck-Jungk und Lydia Meyer. Stühle und Tische wurden schnell gestellt und ein Boden-Fresko aus farblich intensiven Tüchern, Schals und ägyptisch anmutenden Gegenständen und Pflanzen gelegt.

Der Nil wurde mit Tüchern ins Gemeindehaus geholt

Man konnte „ihn“ erkennen – den Nil, der Wasserstrom, um den sich in Ägypten alles Leben drängt und abspielt. Denn Christinnen aus Ägypten verfassten die Gottesdienstordnung in diesem Jahr.

Iris Devynck-Jungk begrüßte die rund 30 Gottesdienstbesucher und führte mit anschaulichen Worten in die aktuelle Situation in Ägypten ein:

Das größte arabische Land mit extrem unterschiedlichen Lebensbedingungen in Stadt und Land, mit einer nicht genau feststellbaren Zahl von rund 85 Millionen EinwohnerInnen, mit krassen Unterschieden zwischen Arm und Reich, mit hoher Arbeitslosigkeit besonders bei der jungen Bevölkerung, mit einem Analphabetentum von 80%, mit der Ausbeutung der Frauen auf dem Land, die meist bis zu 16 Stunden am Tag in der Landwirtschaft arbeiten und nebenbei Kinder und Familie versorgen.

Weltgebetstag und der arabische Frühling

Als die Frauen des ägyptischen Weltgebetstagskomitees mit dem Schreiben ihrer Gottesdienstordnung begannen, ereignete sich gerade die Revolution im Jahre 2011. Der „Arabische Frühling“ veränderte seither mehrfach die politische Lage, doch die Bitten und Visionen der Schreiberinnen blieben bis heute hochaktuell:

Alle Menschen in Ägypten, christlich und muslimisch, sollen erleben, dass sich Frieden und Gerechtigkeit Bahn brechen, wie Wasserströme in der Wüste! (Jes 41,18ff)

Acht aktive Spinnstuben-Frauen, teilweise gewandet in traditionelle ägyptische Kleider, berichteten und spielten nun im Laufe des Gottesdienstes von der Geschichte des Hochkultur-Landes:

Von den Pharaonen, die die Israeliten versklavten, von der mutigen Pharao-Tochter, die den kleinen Moses vor dem Ertrinken rettete, vom Ägypten als Zufluchtsort für die Heilige Familie, als Jesus vom Kindermord des Herodes bedroht war, vom Evangelist Markus, der als Begründer der ägyptischen Kirche und der ersten theologischen Schule gilt. Von hier aus wurden Missionare nach Irland, in die Schweiz und die Niederlande gesandt. Heute ist die christliche Kirche in Ägypten immer noch stark: Es gibt acht bis zehn Millionen (koptische) Christen – ein großer Anteil für ein arabisches Land. Allerdings sind diese Christen immer wieder Verfolgungen und Diskriminierungen ausgesetzt.

Der Nil als Brücke zwischen Kulturen

Und die Gottesdienstbesucher erfuhren vom Nil, von der zentralen Bedeutung dieses Wasserstroms in der Wüste: Der zweitlängste Fluss der Erde, der die Hochkultur des alten Ägypten ermöglichte, der den fruchtbaren Boden in den weitläufigen Uferregionen schuf, der die Felder bewässert, den Durst stillt und die Menschen mit reichlich Fisch zum Essen versorgt. Der Nil verbindet Menschen anderer Länder und Kulturen miteinander, sein fließendes Wasser symbolisiert das lebendige Wasser, das Jesus uns allen anbietet.

Mehrere gemeinsame Lieder, teilweise arabisch anmutend, umrahmten den wortreichen Gottesdienst. Daniela Werner begleitete mit intensivem Spiel auf dem Klavier.

Zum geselligen Nachgespräch bei Kaffee, Tee und leckerem Kuchen, blieben auch die beiden einzigen männlichen Besucher gerne sitzen – die sich mehr männliche Unterstützung im nächsten Jahr wünschen, denn auch Männer sind beim Weltgebetstag der Frauen herzlich willkommen.