Die heute lutherische Treiser Kirche befindet sich in der Mitte des Ortes auf einem kleinen Berg an der Hauptstraße. Als ehemalige Wehrkirche, deren Turm mit Wehrgang, Brüstung und Schießscharten ausgestattet war, wurde sie im Mittelalter neben ihren religiösen Zwecken auch zur Abwehr und Ausspähung von Feinden genutzt. Dementsprechend ist das Gelände des Kirchengebäudes, das ehemals auch einen Friedhof umfasste, von einer schützenden Mauer umgeben, die an eine Festung erinnert. Die Bauweise der Kirche lässt sich nicht eindeutig einer Epoche zuordnen, da sowohl gotische als auch romanische Elemente verwendet wurden. Ebenso kann das Jahr der Erbauung nicht genau bestimmt werden. In einer Urkunde aus dem Jahr 1238 wird allerdings ein Pfarrer aus Treis als “G. plebanus in treyso” erwähnt, sodass davon auszugehen ist, dass damals bereits eine Kirche existierte. In der älteren Literatur wird allerdings erst 1250 als Jahr der Erbauung genannt. Dieser Schätzung zufolge richtete man auch die Feier zum 750jährigen Jubiläum der Kirche im Jahr 2000 aus. In der neueren Literatur des 21. Jahrhunderts kommen Wissenschaftler jedoch zu der Einschätzung, dass Chor und Kirchenschiff bereits vom Anfang des 13. Jahrhunderts datieren.


Geschichte der Gemeinde

Unter der Herrschaft der Schutzbar genannt Milchling

Die Kirche unterstand vermutlich seit ihrer Gründung dem Patronat der Schutzbar genannt Milchling, die sich um 1035 in Treis niederließen. Diese Familie besaß mit der Schutzherrschaft unter anderem auch das Vorschlagsrecht für die Besetzung der Pfarrstelle. Der Gerichtsbezirk Treis unterstand dagegen im 13. Jahrhundert den Herren Merenberg, später den Grafen von Nassau. Letztere belehnten die Schutzbar genannt Milchling zunächst mit Zweidritteln des Gerichts in Treis, ab 1505 verfügten die Schutzbar genannt Milchling über das ganze Gericht Treis als Lehen. In kirchlicher Hinsicht unterstand die Pfarrei Treis laut des Synodalregisters vom Ende des 14. Jahrhunderts gemeinsam mit den Nachbardörfern Sichertshausen, Dodenhausen sowie Ober- und Niederseilbach als Filialen dem Archidiakonat St. Stephan in Mainz.

 

Die Folgen der Reformation

Der hessische Landgraf Philipp der Großmütige hing als einer der ersten deutschen Fürsten der evangelischen Konfession an und engagierte sich intensiv für die Anerkennung und Verbreitung des neuen Glaubens. In Hessen setzte er bereits 1527 die Lehre Luthers durch, womit das Land zu einem Vorreiter der Reformation wurde. Hartmann Schutzbar genannt Milchling (gest. 1560) trat daher ebenfalls früh zum Protestantismus über. Seine Familie blieb jedoch katholisch und unterhielt trotz allem Beziehungen zu den Bistümern in Fulda und Würzburg sowie zum Vatikan. Zu den mit der Einführung des lutherischen Glaubens verbundenen Änderungen gehörte die Schaffung eines Kirchenvorstands und die Einführung der Konfirmation. 1619 änderte sich die Konfession in Treis nochmals für nur kurze Zeit. Der reformierte Landgraf Moritz, der während dieser Zeit in Oberhessen regierte, sorgte für die Vertreibung aller lutherischen Geistlichen und etablierte den reformierten Glauben. Aufgrund der Umstände des Dreißigjährigen Kriegs musste Moritz 1624 abziehen, was zur Wiedereinführung der lutherischen Lehre führte.


Baugeschichte der Kirche

Renovierungen und bauliche Änderungen

Der zuerst fertig gestellte Teil der Kirche, die aus Bruchsteinen aus Quarziten und Basalten besteht, war mit großer Wahrscheinlichkeit ein quadratischer Chorraum. Mehrere bauliche Hinweise sprechen dafür, dass der Turm erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts angebaut wurde. Im Kirchenschiff sind noch zwei romanische Fenster erhalten, später wurden im gotischen Stil im Chor weitere Fenster eingebaut und ein Fenster in der Südmauer des Schiffes vergrößert. Etwa 1781 wurden wieder größere Renovierungsarbeiten vorgenommen. Einige Fenster wurden vergrößert und Ornamente aus gotischer Zeit entfernt. Neben dem heutigen Hauptportal im Westen gab es auch an der Südseite zuvor eine Tür, welche im Zuge dieser Arbeiten mit dem Grabstein des Treiser Pfarrers Henrich Friedrich Stuhlmann zum Teil zugemauert wurde. Darüber hinaus wurde die Sonderbestuhlung, gedacht für die Familie Schutzbar gen. Milchling, den Pfarrer, Schultheiß, Lehrer und andere Personen, die Ämter des öffentlichen Lebens der Kirchen- und Dorfgemeinde ausfüllten, abgeschafft. Die Längsemporen wurden dafür verdoppelt, um mehr Plätze für Gottesdienstbesucher zu schaffen. Das heutige Dach der Kirche sowie des Turms stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert, als man ein neues Dach mit einer steileren Neigung baute.

Die Glocken

Drei Glocken befinden sich in einem Raum mit Schallöffnungen zu allen vier Seiten des Turms, wobei inzwischen nur noch die Westseite offen ist. Sie wurden alle 1981 als Ersatz für die vorherigen älteren Glocken angeschafft, die seit 1998 auf einem Mauersockel vor dem Haupteingang stehen. Die älteste der erhaltenen Glocken stammt aus dem 13. oder 14. Jahrhundert und war dem heiligen Appolonius geweiht, was ihren heutigen Namen “Appel” begründete. Seit 1920 steht sie unter Denkmalsschutz. Ihre Inschrift “Orex Glorie Veni Cum Pace” bedeutet übersetzt “Komm mit Frieden, o König der Ehren”. Die anderen beiden Glocken auf dem Sockel vorm Eingang der Kirche sind Stahlglocken von 1920, die als Ersatz für zwei ältere im Ersten Weltkrieg eingeschmolzene Glocken angeschafft wurden.

Die Epitaphe

Im Chor und Schiff der Kirche sind noch vier Epitaphe für verstorbene Mitglieder der Familie Schutzbar genannt Milchling erhalten geblieben. An der Nordseite finden sich die reich verzierten lebensgroßen Bildnisse von “Caspar Schutzsper Gnand Milchling”, Hauptmann zu Gießen, der 1588 verstarb und seiner Gattin Agnes Milchling geb. von Waiblingen. Ebenfalls an der Nordseite, allerdings im Chorraum, ist das weniger ausgeschmückte einfarbige steinerne Epitaph von “Hartmann Schidzper Genat Milchling” aus seinem Todesjahr 1560 zu sehen. Gegenüber von ihm an der Südseite befindet sich das zweite Doppelepitaph für “Christoffel Eitel Schutzsper genannt Milchling” sowie seine Frau Eva Dorothea geb. von Schwalbach. Gestorben ist er 1622 im Alter von 50 Jahren, seine Gattin erst 1624. Unter den lebensgroßen Figuren stehen auf der Seite der Frau sieben Töchter und auf der Seite des Ganerbs zu Treis ein Sohn sowie zwei Kleinkinder. Das letzte vorhandene Epitaph wurde aus Holz erschaffen und befindet sich auf der Südseite des Schiffes. Im Gegensatz zu den anderen stehen nicht Figuren der drei 1628 verstorbenen Personen Balthasar Fridrich Melchior Schutzsper gent Milchling, seiner Ehefrau Cordula S. geb. von Lenderßheim und seines zweijährigen Sohns Philip Georg im Vordergrund, sondern ein Gemälde des gekreuzigten Christus. Eingearbeitet in das Bild ist am Fuße des Kreuzes die Familie abgebildet. Jedes Epitaph ist mit Inschriften zu den Personen und Bibelversen versehen. An den Seiten wurden sie mit Ornamenten und den Wappen der Familien verziert. Auch bei beiden Doppelepitaphen wurde der Bereich über den Figuren mit biblischen Bildnissen ausgeschmückt. Erwähnenswert ist zudem die Gestaltung der verstorbenen Personen. Männer sind stets in Rüstung und mit Waffen dargestellt, um ihre Stärke und militärischen Fähigkeiten zu unterstreichen. In den weiblichen Figuren dagegen drücken sich durch Kleidung, Mimik und Gestik Tugenden wie Frömmigkeit, Demut und Bescheidenheit aus, die traditionell Frauen zugeschrieben wurden.

Die Orgel

In der Kirche befand sich außerdem schon vor 1781 eine Orgel auf einer Empore im Chor. Nach einer Vergrößerung 1830 wurde das fünfteilige Instrument 1928/29 schließlich durch eine neue ersetzt und 1960/61 auf die hintere Empore im Kirchenschiff verlegt, welche über dem Haupteingang an der Westseite liegt. Neben dem Altar befindet sich im Chorraum eine Sakramentsnische. Die hölzerne, achteckige Kanzel stammt aus dem Jahr 1781. Darüber hängt seit 1988 ein hölzernes Kruzifix. Die Längsemporen sind bei der Renovierung 1960 entfernt worden. Zur 750-Jahr-Feier wurde im Jahr 2000 der Außenbereich der Kirche dahin gehend umgestaltet, dass die Zufahrtswege verbreitert, der Haupteingang überdacht und Bänke um das Glockenpodest herum aufgestellt wurden.