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Menschen bauen Brücken


Neben vielen anderen Angeboten wurde im Rahmen des ersten Treiser Brückenfestes am 31. Mai 2014 auch eine Sternstunde gefeiert.

Hat unser Pfarrer Andreas Lenz wohl doch einen direkteren Draht zu Gott?  Nein! Aber Gott meinte es gut mit uns Treisern: So konnte das Brückenfest und der Sternstunden-Gottesdienst unter dem Motto „Menschen bauen Brücken“ bei sommerlichem Maiwetter stattfinden.

Bereits am Nachmittag war der Festplatz an der Brückenkreuzung gut gefüllt – viele Besucher ließen sich unter blauem Himmel Kaffee und Kuchen der Frauenhilfe schmecken. Auf dem „neuen“ Treiser Dorfplatz an der großen Lumda-Brücke bildeten drei Zelte den kirchlichen Mittelpunkt – die geistliche Festmitte der Veranstaltung, die am Abend schier aus allen Nähten platzte.

Lange vor dem eigentlichen Beginn der Sternstunde waren sämtliche Sitzgelegenheiten rund um das Kirchenzelt besetzt und die bereits geöffneten Stände mit kulinarischen Köstlichkeiten von hungrigen Festbesuchern belagert. Besonders schnell ausverkauft war der afrikanische Stand der Flüchtlingsfamilien, die für ca. 150 Personen afrikanische Mahlzeiten angerichtet hatten.

Die rund 600 Brückenfest-Anstecker waren restlos ausgegeben: gegen eine Spende von 2,- Euro für die Kirche; etliche Besucher fragten vergeblich nach dem begehrten Souvenir.

Es wurde mit vielen Besuchern gerechnet, aber dass dann rund 1000 kamen, war ganz einfach wunderbar überraschend. Nachdem die Zeltwände hochgerollt waren, konnte auch die große Mehrheit der Gottesdienst-Teilnehmer von „draußen “ dem Geschehen folgen und intensive meditative Momente erleben. Ein wenig Kirchentagsflair kam auf.

Pfarrer Andreas Lenz eröffnete den Gottesdienst vor dem farbenfroh gestalteten Altar und zeigte seine Freude über die große Besucherzahl.

In seiner Predigt brachte er zum Ausdruck, dass erfolgreiches „Brückenbauen“ nur auf Augenhöhe funktionieren kann, nur durch unvoreingenommenes und angstfreies Annehmen der Menschen in aller Unterschiedlichkeit. Laut Pfarrer Lenz sind wir alle „Sozialhilfeempfänger der Güte Gottes“. „Aufstehen, aufeinander zugehen“, Brücken bauen in großen und in kleinen Zusammenhängen, wichtigen und nebensächlich scheinenden Situationen, modernen und traditionellen Liedern, bekannten und fremden Sprachen; das war der Grundtenor der Sternstunde.

Dies wurde auch durch einen Tanz  zur Musik „Der Schwan“ von Camille Saint-Saëns verkörpert, den zwei junge Tänzerinnen der Ballettschule „Arabesque“ als weißer und schwarzer Schwan mit bewundernswerter Leichtigkeit tanzten.

„Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner haben die Zeit“, so beschrieb Fallo Sys, der senegalische Sänger der Gottesdienst-Combo „Afro Kunda“ den vermeintlichen Unterschied zwischen weißen und schwarzen Menschen unterschiedlicher Kulturen, deren Blut gleichermaßen rot ist. Und nicht nur diese Anmerkung brachte zum Nachdenken bei den afro-europäischen Musikstücken.

Ein Gebet auf Eritreisch, intensiv gesprochen von Sara aus dem Flüchtlingsheim, mit fremder und für europäische Ohren ungewöhnlicher Sprachmelodie, baute eine Brücke zu den einfühlsam gelesenen Gebeten von Daniela Michel.

Erwin Heyer nahm ein Gedicht von Gottfried Benn zur Grundlage seines Brücken-Sprechgesangs: „Leben ist wie Brücken schlagen, über Ströme, die vergehen. Deshalb nicht verzagen, sondern widerstehen.“

Das gemeinsame „Vater Unser“ wurde gesprochen in allen beim Fest vertretenen Muttersprachen – ein Stimmengewirr der besonderen Art aus deutsch, eritreisch, englisch, holländisch, französisch, treiserisch… Den Abschluss des Gottesdienstes gestaltete der Projektchor unter Leitung von Daniela Werner mit dem Lied „Heal the World“ von Michael Jackson.

Der Hauch von Kirchentagsstimmung, der sich während der Sternstunde entwickelte, hielt bis lange in die Nacht hinein. Der durch Auftritte bei Treiser Gemeindefesten schon länger bekannte Musiker John Morell unterhielt in bewährt lockerer Art und animierte zum Mitsingen und Tanzen im Zelt.
Später wurde die Lumdabrücke zum Tanzboden, den DJane Susanne Biedenkopf beschallte und zur Cocktailbar, die das Team vom Jugendzentrum um Jannik Weimer betrieb. Romantiker ließen sich von den Gondolieres auf einem von Herbert Becker gezimmerten Floß über die stimmungsvoll beleuchtete Lumda schippern. Eine Auszeit gönnen konnte man sich im Shisha-Zelt der Pfadfinder, viele Bierbank-Garnituren rund um die Brücke luden ein zum Verweilen, Staunen, Zuhören und Reden.

Die Sportfamilie des TVT stellte zu stimmungsvoller Musik eine „Menschen- Pyramidenbrücke“, bevor gegen Mitternacht ein farbenprächtiges Feuerwerk die „Lumda in Flammen“ setzte.

14 Treiser Ortsvereine und –gruppen gestalteten das erste Treiser Brückenfest mit und viele freiwillige Helfer trugen zum Gelingen bei.

Ausverkauft waren die Pommes beim TSV, die geräucherten Forellen vom Angelverein, die speziellen Lemmer-Rind-Wilhelmburger, die Pizza von Familie Döll, die Waffeln der Pfadfinder, der Sekt mit Aperol im Champagner-Zelt – einige wenige Dämpfkartoffeln mit Quark gab es noch bei Bauer Michel und Wein am Weinlaubenstand des TVT.

Und schließlich war gegen zwei Uhr nachts auch noch das Bier leer: Die Muspretzer-Thekenmannschaft schüttelte bedauernd den Kopf.

Mit so vielen Besuchern beim ersten Treiser Gemeinde-Brückenfest hatten die Organisatoren um unseren Pfarrer Andreas Lenz einfach nicht gerechnet.

Und Besucher wie Beteiligte waren sich einig: Nach diesem Erfolg soll es nicht das letzte Brückenfest gewesen sein.

Bilder: Myriam Bergmann-Franke